Digitalisierung oder Datenschutz? Eine Abwägung

In letzter Zeit wird der Ruf nach neuen Datenschutzgesetzen immer hörbarer und meiner Meinung nach zu Recht. Wir wissen doch schon gar nicht mehr, was mit unseren Daten im Internet passiert und wer alles damit arbeitet und versucht Profit aus uns raus zu schlagen. Bevor es das Internet gab und wir weltweit vernetzt waren, hatten wir noch einen Überblick über unsere Daten. Daten über den Einzelnen hatten nur die Personen, denen wir sie gegeben hatten. Das waren dann auch oft persönliche Daten an Behörden, Banken und ähnliche Institutionen. Es waren keine privaten Dinge wie Lebensgewohnheiten, Interessen oder Probleme dabei.

Der persönliche Bereich stand nur unseren Freunden oder Bekannten offen. Mit Facebook, Google, Amazon und Co ist die Zeit schon lange vorbei. Diese Digitalunternehmer sind nicht unsere Freunde oder wollen uns helfen, sie wollen nur Eines, Geld verdienen und das mit uns.

Alles was Sie im Internet tun, bleibt auch

Ich möchte auf keinen Fall bestreiten, dass das Internet uns vieles im Leben leichter gemacht hat. Wenn wir etwas wissen möchten, dann googeln wir es, wenn wir nachsehen möchten, wo wir etwas günstiger kaufen können, dann suchen wir im Internet und kaufen oft auch dort. Wir geben unsere Kreditdaten raus und zeigen, an was wir Interesse haben. Wir haben virtuelle Freunde und tauschen mit denen unsere Probleme aus. Wir laden uns Bücher herunter, die wir dann per Einzugsermächtigung bezahlen. Im Prinzip könnte ich die Liste noch ewig fortführen. Vor allem müssen wir uns über Eines im Klaren sein, das Netz vergisst nichts. Es werden immer Datenspuren bleiben, bei allem was wir im Internet tun.

Wesentlich schlimmer finde ich aber, dass wir nicht wissen, was mit unseren Daten passiert. Wir geben Sie raus und was aber machen die Digitalunternehmen mit ihnen. Wem geben sie die Daten weiter? Wie verdienen sie ihr Geld mit unseren Daten. Sicher ist Ihnen auch schon aufgefallen, wenn Sie im Internet nach etwas suchen, taucht kurze Stunden später sicher Werbung auf, die Sie zu einem Kauf auffordern möchte. Woher die bloß wissen, dass Sie vorher nach etwas gesucht haben? Klar, das Netz vergisst nichts.

Wie können wir uns wehren?

Im Prinzip geben wir unsere persönliche Freiheit auf, denn niemand klärt uns auf, was mit allen unseren Daten weiterhin passiert. Wir geben auch keine Zustimmung, dass der Digitalunternehmer damit arbeiten darf. Wir werden eigentlich gar nicht gefragt. Die großen Digitalunternehmer können eigentlich machen was sie wollen, wir haben keine Handhabe mehr darüber. Das gibt es in keinem anderen Geschäftszweig. Praktisch sind wir denen ausgeliefert. Sie müssen uns ja auch nicht mitteilen, wie sie und ihre Programme arbeiten.
Klagen, die geführt werden, kommen vor Gericht, da ist das Ganze schon längst überholt, somit auch der Urteilsspruch. Die Entwicklung geht in dem Bereich einfach rasend schnell. Die meisten Digitalunternehmen sind keine deutschen Unternehmen und somit hat der deutsche Staat auch nicht viel Handhabe; wenn er verlangt, dass sie ihre Arbeits-und Vorgehensweise aufdecken müssen. Diese Unternehmen arbeiten mit und nach ihren eigenen Gesetzen.
Aber wir können in der heutigen modernen Welt auch nicht mehr ohne Netz bestehen. Da bleibt nur noch die Forderung, der Gesetzgeber muss einschreiten.

Ist das Digitalgesetz eine Lösung?

Sicher gibt es Lösungen, damit wir als Mensch unsere Grundrechte wieder zurück bekommen.
Wenn Sie in eine Apotheke gehen und ein Medikament bekommen, dann hat der Gesetzgeber bestimmt, dass es einen Beipackzettel gibt. Den können Sie lesen und sich dann entscheiden, ob Sie das Medikament mit seinen Nebenwirkungen nehmen möchten.

Meine ganz persönliche Meinung

Meiner Meinung nach, sollte es solch einen Beipackzettel auch für die Digitalisierung geben. Genau so muss es funktionieren. Aufklärung und Transparenz sind der richtige Weg

  • Jeder digitale Nutzung der Oberfläche wird mit Daten bezahlt
  • Es werden Werbeprofile des Einzelnen erstellt und diese werden an die Industrie weiter gegeben
  • Es muss angegeben werden, wer Ihre Daten nutzt, zu welchem Zweck und wie lange
  • Können persönliche Daten gelöscht werden und wie können sie gelöscht werden
  • Wie erzielt der digitale Unternehmer seine Gewinne
  • Welchen Marktanteil hat der digitale Unternehmer auf den verschiedenen Märkten
  • Welche Impulse lösen Veränderungen in Algorithmen aus
    Was tut der Digitalunternehmer, um Wahlmanipulationen aus zu schließen

Außerdem muss es eine Möglichkeit geben, dass der Nutzer ankreuzen kann, dass er den „Beipackzettel“ verstanden hat und er sich bewusst ist, dass seine Daten genutzt werden und er trotzdem einverstanden ist.
Allerdings muss dieses Digitalgesetz vom Gesetzesgeber kommen und wenn ein digitales Unternehmen, dem nicht zustimmt, dann bleibt ihm der deutsche Markt verschlossen.

Das mag sich jetzt etwas hart anhören, aber nur so werden wir wieder zum selbst bestimmten Menschen. Sie wissen ja, dass ich ein misstrauischer Mensch bin und daher auch meine vielleicht krassen Anforderungen. Ich möchte und muss auch immer ab und zu das digitale Netz nutzen, aber ich will wissen, was da mit mir und meinen Daten passiert. Nur dann kann ich entscheiden, ob ich das möchte.

Mehr dazu gibt es hier: http://www.bpb.de/apuz/29935/datenschutz-im-21-jahrhundert?p=2
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/die-digital-debatte/digitalisierung-wir-brauchen-ein-digitalgesetz-14391040-p8.html

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.